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Soziales: Die vier Träger haben sich auf einen Vertrag geeinigt, um das Angebot neu zu strukturieren / Konzept soll bis Mitte 2015 ausgearbeitet werden

Erster Schritt zur Neuordnung der Suchthilfe

Von unserem Redaktionsmitglied Janek Rauhe

Die vier Träger der Suchthilfe in der Stadt arbeiten fortan enger miteinander zusammen. Vertreter der Caritas, der Diakonie, des Drogenvereins und der Fachstelle Sucht des Baden-Württembergischen Landesverbands für Prävention und Rehabilitation unterzeichneten gestern einen Kooperationsvertrag. Die Träger wollen damit die Effizienz steigern und überschneidende Angebote abbauen. Die Stadt bezuschusst die Hilfsangebote der vier Träger mit rund 1,25 Millionen Euro im Jahr.

Bisher Arbeitsteilung

Bei der Vertragsunterzeichnung auf dem Museumsschiff lobte Gesundheitsdezernentin Ulrike Freundlieb (SPD) die Bereitschaft der Träger zu einer engeren Zusammenarbeit. Der Vertrag sei der erste Schritt zur angestrebten Neuordnung der Suchthilfe in der Stadt, sagte Freundlieb. Angesichts neuer Drogen und verändertem Konsumverhalten sei es wichtig, dass alle Hilfsstellen gemeinsam Verantwortung übernähmen. Auch die Kosten für die Hilfe müssten dabei im Blick behalten werden. Von der Zusammenarbeit erwarte die Stadt eine höhere Transparenz, bessere Abstimmung untereinander und mit dem Rathaus.

Bislang galt in der Stadt eine Arbeitsteilung bei der Suchthilfe. Der Drogenverein kümmerte sich vornehmlich um die Konsumenten illegaler Rauschgifte, die anderen drei Träger um legale Drogen, aber auch Glücksspiel- oder Computersucht.

Die Vertreter der vier Träger hoben in ihren Reden hervor, dass es bisher schon eine enge Zusammenarbeit gegeben habe. "Doch eine Effizienzsteigerung ist möglich", sagte Christian Heise von der Fachstelle Sucht. Auch der Mannheimer Caritas-Vorstand Roman Nitsch merkte an, dass es Überschneidungen bei den bestehenden Angeboten gebe. Der städtische Diakonie-Direktor Peter Hübinger verwies aber darauf, dass Drogensüchtige nicht nur Hilfe in Bezug auf ihre Abhängigkeit bräuchten, sondern ganzheitliche Unterstützung. Meist seien etwa auch eine Schuldnerberatung und Hilfe für die Angehörigen nötig.

Der Vertrag lege den Grundstein für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, sagte Peter Traub-Martin, Vorsitzender des Drogenvereins. Konkurrenz gebe es jetzt nur noch im sportlichen Sinne, im Wettbewerb um die besten Ideen.

Heroinkonsumenten im Fokus

Für den Drogenverein blieben aber die Konsumenten von illegalen Substanzen wie Heroin im Fokus, sagte der fachliche Leiter des Vereins, Bernd Bung, gestern. Mehr als die Hälfte der 1400 im Jahr 2013 betreuten Abhängigen sei heroinsüchtig.

Abgeordnete der Gemeinderatsfraktionen von SPD, CDU, Grünen und FDP lobten die Vereinbarung. Der CDU-Stadtrat Konrad Schlichter sprach von einem "Meilenstein". Marianne Bade von der SPD hob hervor, dass ein schwieriger Weg erfolgreich beschritten wurde. Grünen-Parlamentarier Raymond Fojkar stellte in seiner Rede heraus, dass die Stadt keine "Monokultur" der Suchthilfe anstrebe.

Bis Mitte 2015 wollen Stadt und Träger ein neues Konzept für die Suchthilfe ausarbeiten, über das der Gemeinderat dann noch abstimmen muss.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 07.02.2014