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Soziales: Verschiedene Veranstaltungen sollen darauf aufmerksam machen, welche Probleme Alkohol und Drogen in Familien verursachen

Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien

Von unserem Redaktionsmitglied Agnes Polewka

2,6 Millionen Kinder in Deutschland wachsen in Familien auf, in denen ein Elternteil alkohol- oder drogenabhängig ist. "Statistisch gesehen ist das jedes sechste Kind", sagte Bildungsbürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb gestern in der Caritas-Suchtberatungsstelle bei einem Pressegespräch. "Es ist Zeit, die Öffentlichkeit auf dieses Thema aufmerksam zu machen und Hemmschwellen für betroffene Kinder zu senken."

Eine Plattform dafür bietet die deutschlandweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien. Mit über sechzig Veranstaltungen in 40 deutschen Städten läuft die Aktionswoche noch bis Samstag, 15. Februar. Zwei Veranstaltungen finden in dieser Zeit auch in Mannheim statt. In der Lutherkirche (Dammstraße 39) liest heute um 10 Uhr Autor Thomas Johannes Hauck aus seinem Buch "Max oder der Tag, an dem ich nach links schipperte" vor. Hauck wird unter anderem zwei Schulklassen die Geschichte seines Buchhelden Max erzählen, der aus seinem Zuhause ausbricht, um mit einem Schiff davon zu schippern - und sein Lachen wieder zu finden.

Morgen findet um 18 Uhr im Atlantis-Kino in K 2, 32 eine Vorführung des Films "Nichts für Kinder" statt. Der Streifen lässt Betroffene aus Familien, in denen die Sucht ein Problem ist, zu Wort kommen. Im Anschluss an den Film ist eine Podiumsdiskussion mit Experten aus der Suchtberatung sowie Betroffenen geplant.

Freundlieb hat die Schirmherrschaft über beide Veranstaltungen übernommen. "Wenn wir über Sucht und Suchtgefühle sprechen, haben wir in der Regel Erwachsene im Blick", sagte die Bürgermeisterin. Gerade für Kinder seien solche Lebenssituationen aber eine besondere Herausforderung. "Sie befinden sich in einer Entwicklungsphase, in der sie besonders geprägt werden. Das äußert sich später nicht zuletzt darin, dass 30 Prozent dieser Kinder im Erwachsenenalter selbst einmal süchtig werden", erklärte Freundlieb. Auch Scham- und Schuldgefühle seien für viele Kinder sehr belastend.

Die Aktionswoche ist aber nicht nur für betroffene Kinder, sondern auch für die Mannheimer Suchthilfestellen wichtig. In der vergangenen Woche haben sie einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Künftig wolle man stärker zusammenarbeiten und Angebote, die sich überschneiden, abbauen. Die Aktionswoche ist sozusagen die "Feuertaufe" für die neuen Kooperationspartner, die die Angebote gemeinsam gestemmt haben.

Die Beratung der Vereine geht indes aber weit über die Aktionswoche hinaus. Der Caritasverband organisiert beispielsweise regelmäßig Gruppentreffen und Ferienfreizeiten für betroffene Kinder sowie Seminare für die ganze Familie.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 12.02.2014